Kirgisien (Kirgisistan) – hoch über den Wolken

Die schroffen Gebirgslandschaften des Tianshan kennzeichnen Kirgisien. Über 7.400 Meter ragt der Dschengisch Tschokusu (besser bekannt als Pik Pobedy – Spitze des Sieges) in den Himmel empor. Das kleine Land in der Mitte Asiens ist arm an Geld und Rohstoffen. Doch zugleich ist es reich an Naturschönheiten und Gastfreundschaft.

Mit nur knapp 200.000 Quadratkilometer Größe und fünf Millionen Einwohnern ist Kirgisien (offiziell: Kirgisistan) flächenmäßig etwas mehr als halb so groß wie Deutschland, dabei allerdings deutlich schwächer besiedelt. Das ist nicht verwunderlich, denn der Großteil des Landes liegt in den Bergen.

Die Lebensader des Landes ist das fruchtbare Fergana-Tal, das sich auch auf die beiden Nachbarländer Usbekistan und Tadschikistan erstreckt. Die Geschichte des Ackerbaus und der Pferdezucht in der Region reicht bis in die Bronzezeit zurück. Noch heute ist die Landwirtschaft im Fergana-Tal der wichtigste Landwirtschaftszweig. Baumwolle, aber auch Obst und Gemüse sind Exportgüter aus der Region.

Der Kampf ums Wasser in Mittelasien

Potenziell kann sich auch die Stromerzeugung zu einem Exportschlager Kirgisiens entwickeln. Zwar fehlen dem Land Öl und Gas und damit die wichtigen Einnahmen aus den Rohstoffexporten, die die Nachbarn vorweisen können. Doch die Wasserkraft bietet enorme Möglichkeiten. Oben in den Bergen fließt Schmelzwasser ab, das sich in zahlreichen Strömen sammelt und sowohl für die eigene Energiegewinnung, als auch für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen sowohl in Kirgisien (Kirgisistan), als auch in Usbekistan und Kasachstan genutzt werden kann.

Derzeit konkurrieren Stromerzeugung und Landwirtschaft miteinander. Im riesigen Toktogul-Stauwerk wird im Sommer das Wasser angestaut, damit es im Winter beim Ablassen die Turbinen antreibt und so den nötigen Strom erzeugt. Das Problem: Die Landwirtschaft braucht das Wasser im Sommer, die Überschwemmungen im Winter hingegen sind fatal. Die Beziehungen zu Usbekistan sind auch deswegen angespannt.

Dabei ginge es auch anders. Während der Toktogul-Staudamm gerade einmal 14 Mrd. kwh pro Jahr erzeugt und damit nicht einmal den Bedarf der Kirgisen (Kirgisistan) ganz decken kann – oft muss selbst in der Hauptstadt Bischkek der Strom in den Nachtstunden abgestellt werden – haben Experten den Bau effektiver kleiner und mittlerer Wasserkraftwerke mit Tauchturbinen bzw. Durchlauftechnologie als viel zukunftsträchtiger ausgemacht. Bis zu 250 schnell fliessende Flüsse wären für diese Art der Stromgewinnung geeignet. Dabei müsste kein Wasser gestaut werden.

Korruption als Haupthindernis der Entwicklung Kirgisiens (Kirgisistan)

Projekte in diese Richtung gibt es bereits. Doch Bürokratie und eine enorm hohe Korruption behindern diese wie so vieles andere in der Republik.

An der Korruption hat sich durch die so genannte „Tulpenrevolution“ 2005 nichts geändert. Zwar wurde der seit 1990 zunehmend autoritär regierende Präsident Askar Akajew dabei gestürzt, doch nach Einschätzungen von politischen Beobachtern hat das Ausmaß der Korruption in den letzten Jahren unter Präsident Kurmanbek Bakijew noch weiter zugenommen.

Zudem bleibt das Land zwischen Nord und Süd gespalten. Von jeher haben die verschiedenen Clans der beiden Landesteile gegeneinander gekämpft. Bakijew konnte die Gegensätze nicht ausgleichen.

Kirgisien als Tourismusziel

Für Touristen sind die politischen Geplänkel allerdings eher zweitrangig. Vor allem Naturliebhaber kommen in Kirgisien (Kirgisistan) auf ihre Kosten. Die Ausstellung eines Visums geht verhältnismäßig unkompliziert und schnell. Theoretisch kann ein Touristenvisum sogar auf dem Flughafen Bischkek-Magas ausgestellt werden. Eine Meldepflicht besteht nicht, somit sind Rundreisen durch das Land kein Problem.

Als Perle des Landes gilt der See Issyk-Kul unweit der Hauptstadt Bischkek. Der tiefblaue See, der den wohl berühmtesten Kirgisen Tschingis Aitmatow (1928 – 2008) zu mehreren Romanen inspirierte, wird auch das „Herz des Tianshan“ genannt und ist der zweitgrößte Gebirgssee der Erde. Gemütliche Boots- und Dampfertouren, aber auch luxuriöse Segeltörns auf dem See sind möglich.

Zudem wurden an einem Ufer des Sees Zeichnungen aus prähistorischer Zeit gefunden. Selbst die Reste einer längst versunkenen Stadt sollen entdeckt worden sein. Möglicherweise stammen sie von Dschingis Khan, der auf seinem Feldzug nach Westen auch Kirgisien durchquert haben soll.

(ab)

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 13. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden